Erfolgreich in der DJ Szene Deutschland

Entwicklung der elektronischen Musikszene 20 gebucht, sodass das Publikum diese kannte. 137 Viele Disco-Besucher gaben damals einen Groß- teil ihres Einkommens in Clubs aus. 138 Für das oftmals hohe Eintrittsgeld bekam das Publikum jedoch nur wenig geboten: „Deko und Komfort waren inexistent, die Soundqualität war voll- kommen egal, ein einziges Klo.“ 139 Wirtschaftlich betrachtet war die elektronische Musik für Veranstalter bzw. Clubs und damit auch DJs – wie zu Beginn dieses Kapitels erwähnt – in den 80er und 90er Jahren rentabel geworden. 140 Der Jahresumsatz aller deutschen Diskotheken be- trug in den 80er Jahren ca. 8 Milliarden DM. 141 Dazu beigetragen hat, dass auf den Events teilweise exklusive VIP- und Firmenangebote bereitgestellt wurden. 142 Somit stellte die elekt- ronische Musikszene damals eine der monetär attraktivsten Möglichkeiten zur Selbstverwirkli- chung für DJs dar. 143 Die Veranstalter von großen Partys zahlten bedenkenlos großzügige Ga- gen für diese. 144 „Die Geldhähne waren geöffnet, sie erzeugten eine marktorientierte Musikin- dustrie, in deren Mittelpunkt nunmehr der DJ stand.“ 145 In der elektronischen Musikszene ging es in dieser damaligen Zeit folglich um das große Geld. 146 Ende der 1990er Jahre gab es sogar eine Inflation der DJ-Gagen, sodass diese im fünfstelligen Euro-Bereich lagen. 147 Dies war auch bedingt dadurch, dass kommerzielle Unternehmen, wie z. B. große Tabakkonzerne, damals die elektronischen Musikveranstaltungen als Möglichkeit sahen, durch Sponsoring die werbemü- den Jugendlichen zu erreichen. 148 In der damaligen Zeit konnten sich DJs schnell durch ihr Musik-Repertoire ein Alleinstellungs- merkmal verschaffen. In der Vor-Internet-Ära war auf Vinyl-gepresste elektronische Musik nur begrenzt und ni cht überall erhältlich. 149 Gelang es damaligen DJs, ein Exemplar einer raren Platte zu erstehen, war der Erfolg bei Besuchern oft garantiert. 150 „Die Musik war damals so etwas Wertvolles und Neues, dass die Leute unbedingt eine Platte wollten. Was auch daran lag, dass es von vielen Platten in einer Stadt nur fünfzig Stück gab. Wenn die weg waren, war’s das. 137 Vgl. Fikentscher (2013), S. 139. 138 Vgl. Mezger (1980), S. 50; Emenheiser, Sproles (1978), S. 686. 139 Garnier, Brun-Lambert (2013), S. 175; ähnlich: McRobbie (2002), S. 520. 140 Vgl. Garnier, Brun-Lambert (2013), S. 188; Reitsamer (2013), S. 72; Ozog (2011), S. 4; Herman (2006), S. 34. 141 Vgl. Malchau (1991), S. 4. 142 Vgl. Mathei (2012), S. 51; Niemczyk (1999), S. 302. 143 Vgl. Reitsamer (2013), S. 125; Mezger (1980), S. 50. 144 Vgl. Garnier, Brun-Lambert (2013), S. 194, 200; Greenburg, O’Malley Mac (2012), S. 99. 145 Garnier, Brun-Lambert (2013), S. 195. 146 Vgl. Garnier, Brun-Lambert (2013), S. 200; Schneider (2009), S. 80. 147 Vgl. Hurley (2015), S. 75; Poschardt (2015), S. 401; Garnier, Brun-Lambert (2013), S. 270; Reitsamer (2013), S. 231; Sperlich (2007), S. 71. 148 Vgl. Gustke (2012 b), S. 31; Robb (2002), S. 136; Niemczyk (1999), S. 300. 149 Vgl. Garnier, Brun-Lambert (2013), S. 224; Stibal (1977), S. 84. 150 Vgl. DJ Tanith (2009), S. 46.

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