Erfolgreich in der DJ Szene Deutschland

Entwicklung der elektronischen Musikszene 22 90er Jahren entwickelten sich DJs zu sogenannten Techno-Popstars, die wie Rockstars behan- delt wurden. 162 Es entstand eine regelrechte Fan-Kultur, bei der sie sogar Autogramme ga- ben. 163 Mit dem Ziel, ihre Erfahrungen zu wiederholen, sind die Fans früher ihren DJ-Idolen auch nachgereist. 164 Damals, d. h. zu den Hochzeiten der elektronischen Musikszene in den Jahren 1995 bis 2000, waren DJs also in den Diskotheken die „kings“. 165 Im Fernsehen wurde schließlich auf dem TV Sender „Viva“ ein eigenes Format unter dem Na- men „House“, bei welchem DJs ihre Künste beim Auflegen präsentierten, ausgestrahlt. 166 Hie- ran lässt sich feststellen, dass aus der clubzentrierten DJ-Kultur ein Techno für Jedermann wurde, was auch durch die Verbreitung von Medien und Magazinen, die das Genre behandel- ten, gefördert wurde. 167 Diese Entwicklungen hatten allerdings auch ihre Schattenseiten. Aus Techno ist eine Mainstream-Popkultur geworden, in der die Bedeutung von Anhängern der Szene stark abgenommen hat, verbunden mit negativen sozialen Veränderungen. Dieses und andere Probleme werden nachfolgend in Kapitel 3.2 behandelt. 3.2 Status Quo Das sogenannte goldene Zeitalter der elektronischen Musikszene, welches die letzten zwei Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts ausmachte, ist vorbei. 168 Es ist ein Verfall an Authen- tizität in der elektronischen Musik-Kultur zu beobachten. 169 Die in Kapitel 3.1 aufgezeigten Vorzüge der Szene als überschaubare Nische wurden durch das Ausweiten zu einem Massen- Phänomen zunichte gemacht. 170 „Die Underground-Ideologe wird durch einen ästhetischen Pragmatismus ersetzt, der kein Problem damit hat, daß [sic] weite Felder des künstlerischen 162 Vgl. Experteninterview 4 (Anhang 9); Westbam (2015), S. 221; Rapp (2014), S. 9; Garnier, Brun-Lam- bert (2013), S. 194; Herman (2006), S. 21, 36; Reighley (2000), S. 203. 163 Vgl. Westbam (2015), S. 184. 164 Vgl. Reighley (2000), S. 202. 165 Vgl. Reitsamer (2011), S. 31; Nieswandt (2002), S. 27; Franz et al. (1980), S. 135. 166 Vgl. Poschardt (2015), S. 521; Reitsamer (2013), S. 167. 167 Vgl. Experteninterview 4 (Anhang 9); Rietveld (2013), S. 91; Herman (2006), S. 21; Poschardt (1999), S. 201. 168 Vgl. Garnier, Brun-Lambert (2013), S. 277. 169 Vgl. Reitsamer (2013), S. 73; Van Straten (2012), S. 65; Montano (2011), S. 64; Ozog (2011), S. 4; Montano (2009), S. 91; Poschardt (1999), S. 198 f.; Schäfer, Waltmann, Schäfers (1998), S. 214 f. 170 Vgl. Lange, Bürkner (2013), S. 155; McRobbie (2002), S. 519; Sicko (1999), S. 104. Rietveld (2013), S. 95 erklärt die Veränderung folgendermaßen: „From their obscure cultural role, the hidden […] scene, a [sic] internationally marketable stadium DJ emerged as an iconic global popular cultural role model.”

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