Erfolgreich in der DJ Szene Deutschland

Entwicklung der elektronischen Musikszene 23 Geheimwissens in den Fundus der Popkultur aufgenommen werden.“ 171 Die Kommerzialisie- rung und Ausdehnung der Szene zeigt sich u. a. durch die Zunahme an Personen, die sich als DJ bezeichnen und einen Konkurrenzkampf entfachen. 172 Bedingt durch diese Auswechselbarkeit der DJs ist ihre Tätigkeit in der heutigen Zeit als nicht- lukrativer Zeitvertreib bzw. Hobby einzustufen. 173 Die wenigen Plattenfirmen der elektroni- schen Musikszene, die in Zeiten des Internets noch existieren, 174 vergüten DJs nicht angemes- sen, weswegen diese in der Szene eine untergeordnete Rolle spielen. Selten gibt es eine adä- quate Gewinnbeteiligung, weswegen die Produktion von Tracks heutzutage für DJs unrentabel ist. 175 Diese dient ausschließlich der Profilierung. 176 Betrachtet man die heutigen Beziehungen zwischen Veranstaltern und DJs, lässt sich feststel- len, dass sich durch die wachsende Konkurrenz die finanzielle Situation von DJs verschlechtert hat. 177 Es lässt sich auch ein Rückgang von Bookings durch Clubs beobachten, d. h. die Veran- stalter fragen DJs nicht mehr so häufig an und handeln zunehmend gewinnmaximierend. 178 DJs erhalten aufgrund der vielen Konkurrenten oft weniger Angebote. 179 Teilweise müssen sie so- gar um Angebote bei Veranstaltern buhlen. 180 Zudem ist die Zahlungsbereitschaft vo n Clubs zurückgegangen. 181 Es gibt mitunter Veranstalter, die bei Nachverhandlungen von Gagen Boo- kings stornieren. 182 Dies führt dazu, dass sich DJs häufig nicht trauen, um eine Erhöhung zu verhandeln. 183 Damit erklärt sich – wie bereits angedeutet – warum kein lokaler DJ in der elekt- ronischen Musikszene sein Leben mit dieser Tätigkeit finanzieren kann, sondern dies nur als Nebenjob betreibt. 184 Ein weiteres Merkmal des negativen Wandels in der elektronischen Musikszene ist der Rück- gang an Plattenläden, die früher – wie in Kapitel 3.1 aufgezeigt – eine zentrale Anlaufstelle für DJs waren. Dies ist bedingt durch die zunehmende Dominanz von Internet-Portalen, über die 171 Poschardt (1999), S. 199. 172 Vgl. Experteninterview 3 (Anhang 6). 173 Vgl. Reitsamer (2013), S. 65; McGregor, Gibson (2009), S. 284. 174 Eine zunehmend größere Anzahl von Plattenfirmen existiert heutzutage nur noch online; vgl. Renner (2016), S. 21; Lange, Bürkner (2013), S. 159; Hoffmann, Janson (2009), S. 41 f.; Herman (2006), S. 34. 175 Vgl. Lange, Bürkner (2013), S. 158; Reitsamer (2011), S. 37; Hoffmann (2007), S. 56. 176 Vgl. hierzu ausführlich Kapitel 5.2. 177 Vgl. Experteninterview 1 + 3 (Anhang 4 + 6). 178 Vgl. Experteninterview 2 + 3 (Anhang 5 + 6); vgl. Koch (1995), S. 27. 179 Vgl. Experteninterview 3 (Anhang 6); Reitsamer (2013), S. 79; Hartmann (2013), o. S. 180 Vgl. Experteninterview 2 + 4 (Anhang 5 + 9); Kinast (2016), o. S. 181 Vgl. Experteninterview 4 (Anhang 9). 182 Vgl. Garnier, Brun-Lambert (2013), S. 271. 183 Vgl. McGregor, Gibson (2009), S. 284. 184 Vgl. Experteninterview 1 (Anhang 4); Lange, Bürkner (2013), S. 152; Reitsamer (2013), S. 65; Sperlich (2007), S. 71.

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