Erfolgreich in der DJ Szene Deutschland

Analyse der Probleme und Ursachen 36 der Märkte und der in Kapitel 4.2.1.1 und in Kapitel 4.2.1.2 dargelegten Trends wandeln sich frühere Begeisterungsfaktoren zu allgemein erwarteten Standards. 251 In vielen Bereichen – nicht nur in der elektronischen Musikszene – lässt sich folglich ein negativer Trend bei Kun- denbefragungen zu Involvement 252 erkennen. Es scheint, als wären dieMenschen grundsätzlich uninvolvierter mit den ihnen gebotenen Leistungen, d. h. wenig interessiert. 253 Dies begründet sich insbesondere anhand der in den vorangegangen Kapiteln beschriebenen Einflussgrößen. 254 Das Involvement bzw. Interesse ist allerdings eine zentrale Größe für die Loyalität. 255 Daraus lässt sich schlussfolgern, dass, wenn aufgrund der beschriebenen Entwicklungen das Interesse an dem DJ und seiner Musik sinkt, dann auch die Loyalität ihm gegenüber abnimmt. 256 Oder anders ausgedrückt: Die gesellschaftlichen Entwicklungen, speziell die Indifferenz gegenüber Dienstleistern, wirken sich negativ auf die Loyalität gegenüber DJs aus. 257 Moderne Menschen suchen sich immer rascher Idole und Stars. Diese sind allerdings Projekti- onsflächen, d. h. kaufbare Träume, und das Scheitern dieser ist nicht gravierend, denn nach einer kurzen Trauerphase werden neue Vorbilder gesucht. 258 Dies zeigt sich auch folglich da- ran, dass es kaum mehr Stamm-Fans gibt, d. h. wahre Liebhaber der elektronischen Musik, die zudem eine hohe Verbundenheit gegenüber ihrem favorisierten DJ zeigen. 259 Heutzutage haben die Besucher von elektronischen Musikveranstaltungen keine überdauernde Sympathie für den DJ bzw. unterstützen ihn auch nicht vorbehaltlos. Dies konkretisiert sich u. a. darin, dass heutige Besucher von elektronischen Musikveranstaltungen häufiger im Verlauf eines Jahres einen Club wechseln, unter Umständen sogar trotz Zufriedenheit, da ihnen der Wechsel an sich durch Befriedigung eines Abwechslungsbedürfnisses einen Nutzen stiftet. 260 Es zählt allein die An- wesenheit bei angesagten Veranstaltungen – unabhängig vom DJ. 261 251 Vgl. Kumar, Reinartz (2012), S. 8. 252 Naskrent (2010), S. 197 definiert dies folgendermaßen: „Als Involvement lässt sich somit generell die in- nere Beteiligung bzw. das Engagement bezeichnen, mit der sich Konsumenten betreffenden Produkten bzw. Sachverhalten zuwenden.“ 253 Vgl. Kumar, Reinartz (2012), S. 8. 254 Abbildung 9 v erdeutlicht den Zusammenhang zwischen Kapitel 4.2.1.1 bis 4.2.1.3. 255 Vgl. Jaritz (2008), S. 226; Anderson (1994), S. 19 ff.; Anderson, Fornell, Lehmann (1994), S. 53 ff.; Reichheld, Sasser (1990), S. 105 ff. 256 Vgl. Experteninterview 2 (Anhang 5); Kinast (2016), o. S.; Hartmann (2013), o. S. führt hierzu aus: „Fei- ern ist etwas für Leute, die sich irgendwo betrinken und mit Konfetti bewerfen wollen und denen die Musik eher egal ist.“ 257 Vgl. Experteninterview 1 + 3 + 6 (Anhang 4 + 6 + 11). 258 Vgl. Riemer (2011), S. 22. 259 Vgl. Experteninterview 1 + 3 (Anhang 4 + 6). Montano (2011), S. 68 führt dazu aus: „The new generation of kids […] seem to be a lot less loyal to club nights, DJs and venues.” 260 Vgl. Experteninterview 4 (Anhang 9); Bänsch (1995), S. 343 f. Im ersten Experteninterview (Anhang 4) wurde aufgeführt, dass Besucher immer häufiger darauf aus sind, nur Fotos mit dem DJs zu knipsen, um ihre Anwesenheit auf der Veranstaltung zu dokumentieren. 261 Vgl. Experteninterview 1 + 5 (Anhang 4 + 10).

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