Erfolgreich in der DJ Szene Deutschland

Analyse der Probleme und Ursachen 49 zur Szene zu bekommen. 284 Die Fähigkeiten kann man sich aufgrund der technischen Entwick- lungen schnell aneignen und die Ausstattung ist ebenfalls weniger kostspielig als früher. 285 Der private Computer ist zum Musikstudio geworden und bietet vielen – auch Neuzugängern – die Möglichkeit, beliebige Töne und Rhythmen durch spezielle Software zu produzieren. 286 Selbst die Technik des Beatmatchings, d. h. die Synchronisation von Musik-Tracks (vgl. hierzu Kapi- tel 2.1) wird heutzutage digital über einen „Sync Button“ am Abspielgerät übernommen. 287 In den letzten Jahren hat zudemdie Anzahl von kostenfreien Lehrvideos im Internet zugenommen, mit denen man die DJ-Fähigkeiten erlernen kann. 288 Ein weiteres Problem ist, dass einer Tätigkeit als DJ keine institutionalisierte Ausbildung zu- grunde liegt, die durchlaufen werden muss. 289 Früher stellte die Aktivität als DJ einen langjäh- rigen Prozess der Selbst-Aneignung der Fähigkeiten dar und war folglich von einer großen Hin- gabe zur Musik gekennzeichnet. 290 Die DJs früher hatten Angst vor vorzeitiger Ablehnung, daher probten sie intensiv in abgeschlossenen Schlafzimmern und warteten auf einen besonde- ren Moment um die Szene von ihren DJ-Fähigkeiten zu überzeugen. 291 Aufgrund der techno- logischen Entwicklungen und einem veränderten Selbstverständnis fehlt DJs heutzutage häufig dieses musikalische Hintergrundwissen. 292 Es ist verständlich, dass sich etablierte DJs, welche diesen Entwicklungsprozess durchlaufen haben, folglich über sogenannte „Pseudo-DJs“ beschweren, welche sich auch ohne entspre- chende Erfahrung als DJ bezeichnen. 293 Diese verlangen für ihren Einsatz geringe Gagen, wes- wegen auch erfahrene DJs finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. 294 Die Realität heute sieht 284 Vgl. Experteninterview 2 + 3 + 4 (Anhang 5 + 6 + 9); Álvarez Monzoncillo, Calvi (2015), S. 33; Reitsa- mer (2013), S. 79; Hoffmann (2007), S. 57; Sicko (1999), S. 86. 285 Vgl. Experteninterview 2 (Anhang 5); Hitzler, Niederbacher (2010), S. 153. 286 Vgl. Álvarez Monzoncillo, Calvi (2015), S. 29 f.; Hall, Zukic (2013), S. 117; Sperlich (2007), S. 78; Marcus (1999), S. 185 f.; Schäfer, Waltmann, Schäfers (1998), S. 5. 287 Vgl. Attias (2013), S. 27 f.; Reitsamer (2013), S. 97; Nye (2011), S. 92. 288 Vgl. Renner (2016), S. 21; Hall, Zukic (2013), S. 117. 289 Vgl. Reitsamer (2013), S. 10, 113. 290 Vgl. Sicko (1999), S. 129. 291 Vgl. Reitsamer (2013), S. 88; Reitsamer (2011), S. 33; McGregor, Gibson (2009), S. 278; Nieswandt (2002), S. 45; Reighley (2000), S. 5. Ähnliches berichtet Korn (2013), S. 95: „Als der Song fertig war, traute sich Eddy kaum, ihn vorzuzeigen. Doch Karsten war begeistert – und begann, ihn mit einem passen- den Sound zu unterlegen. Aber den Song auf die Bühne zu bringen, das trauten sie sich dann doch nicht. Bis das Sommerfest kam.“ 292 Vgl. Waltmann (1998), S. 39. 293 Vgl. Experteninterview 4 (Anhang 9); Attias (2013), S. 23; Reighley (2000), S. 203 beanstandet dies fol- gendermaßen „Today you can’t swing a record bag without hitting someone claiming to be a DJ.” 294 Vgl. Experteninterview 2 (Anhang 5).

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