Erfolgreich in der DJ Szene Deutschland

Analyse der Probleme und Ursachen 51 besitzen aber keine persönliche Note mehr. Da der Computer das Produzieren übernommen hat, erfordert diese Tätigkeit kaum mehr Kreativität. 305 Die Konsequenz des zunehmendenWettbewerbs homogener Anbieter ist ein gesteigertes Kon- kurrenzdenken, bei dem kein DJ dem anderen etwas gönnt. 306 Zu viele DJs wollen von der elektronischen Musik leben, ohne sich für ihre Weiterentwicklung zu bemühen. 307 Die eigent- lich für eine DJ-Karriere notwendige Anerkennung durch andere Szene-Akteure bleibt aus. 308 Anstelle eines respektvollen Umgangs und der Konzentration auf die eigene stringente Ver- marktung, ahmen sich DJs nach und verschlimmern dadurch gegenseitig ihre Situation. Die zunehmende Konkurrenz hat folglich den früheren familiären Zusammenhalt, als die Szene-Mitglieder sich regelmäßig auf Events wiedergesehen und öfters zusammengearbeitet haben, 309 ersetzt. 310 Gleichzeitig gab es eine Expansion der Szene, sodass Mainstream-Phäno- mene wie David Guetta an Präsenz gewonnen haben. 311 Dies hat ebenfalls nachteilig zur Kon- sequenz, dass elektronische Musik kaum mehr als Szene wahrgenommen wird. 312 Früher war es für DJs möglich, für ihre produzierten Tracks Verträge mit Tonträgerunterneh- men (sogenannte Plattenlabel) abzuschließen und damit angemessen Geld zu verdienen. So er- hielt Westbam trotz seiner noch geringen Bekanntheit im Jahr 1988 eine Vergütung von 20.000 DM pro produzierter Single sowie 22% Umsatzbeteiligung. 313 Wie in Kapitel 3.2 bereits er- wähnt, erhalten heutzutage die wenigsten DJs einen Plattenvertrag und verdienen aufgrund der Verbreitung ihrer Tracks im Internet oftmals kein Geld mit dem Produzieren. 314 4.3.2 Verändertes Anforderungsprofil Eine weitere Ursache für die in Kapitel 3 aufgezeigten problematischen Entwicklungen ist die geringe Lernbereitschaft von DJs. 315 D. h. sie halten bei den gestiegenen Anforderungen an sie nicht mit. Dies konkretisiert sich dadurch, dass viele von ihnen an ihrem altbewährten Stil beim 305 Vgl. Garnier, Brun-Lambert (2013), S. 277. 306 Ein interviewter Experte gab an, dass, wenn er früher einen Gast-DJ in den Club geholt hat, er dann später auch eingeladen wurde. Dieses Verhalten kennt man heutzutage nicht mehr; vgl. Experteninterview 2 (An- hang 5). 307 Vgl. Garnier, Brun-Lambert (2013), S. 277; Waltmann (1998), S. 40. 308 Vgl. Reitsamer (2013), S. 12. 309 Vgl. Experteninterview 2 (Anhang 5); Sicko (1999), S. 85; Haemmerli (1999), S. 253. 310 Vgl. zur Familiarität der elektronischen Musikszene die memoirischen Anekdoten von Westbam (2015). 311 Diese werden auch als „celebrity DJs“ bezeichnet; vgl. Reighley (2000), S. 207. 312 Vgl. Experteninterview 2 (Anhang 5). Ein anderer interviewter Experte befürchtet sogar, dass der DJ im klassischen Sinn irgendwann im elektronischen Mainstream verschwinden wird (Anhang 10). 313 Vgl. Westbam (2015), S. 144. 314 Vgl. Rapp (2014), S. 241 ff.; Rietveld (2013), S. 93. 315 Vgl. Waltmann (1998), S. 39.

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