Erfolgreich in der DJ Szene Deutschland

Analyse der Probleme und Ursachen 52 Auflegen festhalten und sich nicht weiterentwickeln. Sie verfolgen keine Strategie zumAusbau ihrer Kompetenzen, z. B. Mix-Techniken. 316 Die Konsequenz daraus ist, dass sie viel seltener von Clubs und Veranstaltern gebucht werden, weil sie Besucher nicht mehr zufriedenstellen. 317 Weiterhin ist das Zusammenstellen und Mischen von Musiktiteln längst nicht mehr die zentrale Aufgabe von DJs. 318 Um heute erfolgreich zu sein, bedarf es nicht unbedingt viel Kreativität, sondern marktorientierter Fähigkeiten. 319 Hierzu verfolgen DJs „Do-it-yourself“ Marketing. 320 Aufgrund der technischen Fortschritte scheint dies auf den ersten Blick auch der richtige Weg, allerdings versuchen dies zunehmend mehr DJs. 321 Wie bereits in Kapitel 1.1 angesprochen, braucht ein DJ jedoch fundierte Marketing-Kenntnisse, welche aber oftmals durch die fehlende institutionalisierte Ausbildung nicht vorhanden sind. 322 Viele DJs gehen bei der Selbstvermark- tung keiner konsequenten Strategie nach, sondern legen z. T. einen Aktionismus an den Tag. 323 Dies bedeutet, dass sie sich strategisch nicht richtig aufstellen und als einzigartige, individuelle Marke positionieren und es somit nicht vermögen, sich dementsprechend abzugrenzen. 324 Statt- dessen wollen sie um jeden Preis auffallen und polarisieren. 325 Es lässt sich festhalten, dass DJs zwar oftmals gute Fertigkeiten beimAuflegen haben, aber nicht wissen, wie sie ihre Leistungen systematisch vermarkten können. Weiterhin erfordert diese Tätigkeit ein hohes Maß an Selbstorganisation, Disziplin und Markt- kenntnis. Viele DJs verfügen allerdings nicht über diese Kompetenz, weswegen sie es schwer haben, erfolgreich zu werden. 326 Auch beim Auflegen sind DJs mit neuen Anforderungen konfrontiert. Es reicht heutzutage nicht mehr aus, eine vorab überlegte Reihenfolge von Musikstücken abzuspielen und die Tech- nik zu beherrschen. 327 Das Publikum erwartet stattdessen ein perfektes Zusammenspiel zwi- schen Stimmung und Musikauswahl. Hierfür muss der DJ „detektivische“ Arbeit leisten: es ist 316 Vgl. Experteninterview 1 + 3 (Anhang 4 + 6). 317 Vgl. Lux (2000), S. 65. 318 Vgl. Experteninterview 2 (Anhang 5); Reighley (2000), S. 115. 319 Vgl. McRobbie (2002), S. 517. 320 Vgl. Garnier, Brun-Lambert (2013), S. 164; Reitsamer (2013), S. 10; Hövel (2009), S. 23 f.; Hoffmann (2009 b), S. 51; Schneider (2009), S. 108; Sperlich (2007), S. 79. 321 Genaue Zahlen über die Anzahl der DJs und den anderen Szene-Akteuren gibt es nicht, da sich diese zu dy- namisch entwickeln; vgl. Reitsamer (2013), S. 65. 322 Vgl. Experteninterview 1 (Anhang 4). Der interviewte Experte gab sogar an, dass man als selbstvermarkten- der DJ mehr Zeit mit Marketingaktivitäten verbringt als mit der Musik. 323 Vgl. Experteninterview 3 (Anhang 6). 324 Vgl. Experteninterview 2 + 6 (Anhang 5 + 11). 325 Vgl. Experteninterview 3 (Anhang 6). 326 Vgl. Reitsamer (2013), S. 223 f. 327 Vgl. Gavanas, Reitsamer (2013), S. 55; Waltmann (1998), S. 39.

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